Rhino-Projekt Limpopo-Lipadi

Aktive Mithilfe bei der Auswilderung von Rhinos und Verfassen eines wissenschaftlichen Berichtes in Limpopo Lipadi Wilderness Reserve

Problemstellung

Mehrere Rhinos in eine bestehende Rhino-Gruppe eingliedern ist eine Herausforderung! Diese Geschichte ist neuartig und es gibt wenig Literatur und wenig anderweitig realisierte Projekte. Wir befinden uns auf ziemlichem Neuland. 

Lösungsansatz

  • Rhinos "einwildern"
  • Sicherheitsdispositiv betreffend Wilderern und Transitverkehr
  • Längerfristiges Controlling der Rhinos

Vorgehen

Martina hat sich vertieft in die Problematik eingelesen und diverse Online-Seminare und Online-Kongresse besucht. Zusätzlich stand uns Duane Jacobsz mit seinem riesigen Wissen bei Seite.  
Jost zerbrach sich den Kopf über Prozesse und entwickelte zwei Software-Programme. Für die Codierung war Stefan zuständig.

Verfassen eines wissenschaftlichen Rhino-Reports

Ziel war es, die Rhinos gesund an die neue Umgebung in Limpopo Lipadi zu gewöhnen und die Sicherheit der Tiere zu erhöhen. Zusätzlich verfasste Dr. Martina Glatzl eine wissenschaftliche Arbeit über den ganzen Verlauf der Eingliederung. Dieser Bericht sollte alle Anforderungen und Schwierigkeiten mit Lösungsansätzen aufzeigen. 
Aus unserer Sicht wäre dies für Limpopo Lipadi der Grundstein und die einzigartige Chance gewesen, sich als spezialisiertes Rhino-Resort zu profilieren. 

Software - Applikationen

Die Anforderungen in einem Reservat sind in allen Belangen riesig. Für viele Entscheidungen sind Daten eminent. Da diese Daten meistens nicht vorhanden sind, haben wir uns entschlossen eine spezifische Software einzusetzen. 
Mittels Ausschlussverfahren haben wir alle bekannten Systeme geprüft. Schlussendlich sind wir zu Überzeugung gelangt, dass die vorhandenen Systeme entweder unseren Ansprüchen nicht genügten oder schlichtweg zu kompliziert in der Anwendung waren. Viele Systeme werden durch NGO's angeboten und sind dadurch mit mehreren Firmen verknüpft. Dies ist bei kritischen Echtzeit-Daten - wie Rhino-Standorte - sehr heikel. Es ist nicht bekannt wer Zugriff auf die Daten hat und wo diese gespeichert werden. Es ist auch nicht bekannt, nach welchen Standards die Daten und Datenserver gesichert sind. Für uns war dies ein No Go und wir entschlossen uns, eine eigene Software zu entwickeln. 

1. Sicherheit

  • Digitale Eingangskontrolle
  • Just in time Daten, wer sich im Reservat befindet
  • Auslösung eines Alarms, wenn sich die Person nicht zur geforderten Zeit meldet
  • Anwendung mittels QR-Code

2. Rhino-Watch

  • Wann wurde welches Rhino gesichtet
  • Zustand und Aggressionsstufe
  • Gruppen etc.
  • Erfassung muss ohne Wifi funktionieren
  • Alle Daten just in time

3. Game-Count

  • Erfassung der Sichtungen
  • Erfassung der Jungtiere
  • Alle Daten just in time


4. Reserve

  • Wasserstände erfassen
  • Wasserverbrauch
  • Wasserdurchfluss
  • Zaunbeschädigungen
  • Wilderei
  • Alle Daten just in time

Die Einführung war sehr aufwändig. Es sprechen nicht alle Mitarbeiter English und einige benötigen das Lesen nicht jeden Tag. Wir wollten aber keine Mitarbeiter ausgrenzen. So haben wir die Software auf intuitive Bedienung angepasst. Anstelle von Passwörtern ein Login mit QR-Code-Ausweis, Pictogramme an Stelle von Bezeichnungen etc.
Für die Schulung konnten wir Rindi Jacobsz gewinnen. Sie hatte eine endlose Geduld um Vorgänge zu prüfen, Korrekturen anzubringen und Inputs zu geben. Sie hat als Praktikantin ohne Entgeld einen riesigen Aufwand betrieben. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Danke.

Die Mitarbeiter waren schnell begeistert von den Anwendungen. Es ist einfach zu bedienen und sie hatten Vorteile durch die just-in-time Daten. Natürlich gab es auch diejenigen, welche uns behindert haben. Aber über alles gesehen, war es eine sehr erfreuliche Sache!

Auch die technischen Probleme waren riesig - kein Internet! Erklären Sie dies mal einem Programmierer in der Schweiz. Aber wir konnten alles mit Bravour lösen! Auch hier nochmals ein herzliches Danke an Stefan Züttel.

Schema der technischen Lösung - Cloud-Applikation mit Hochsicherheitsserver in der Schweiz

Reserve-App enthält vier verschieden Applikationen, welche individuelle pro Mitarbieter freigeschaltet werden können

Erfolg

Die App's wurden ab April 2022 eingesetzt. Zuerst als Projekt, dann als professionelle Applikation. Die Testphase wurde im Mai 2023 abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir die Applikation zwei Professoren der Universität von Botswana vorgeführt. Es muss nicht erwähnt werden, dass sie davon begeistert waren. Das System wurde danach während 6 Monaten ohne Downtime eigenständig durch die Mitarbeiter betrieben! Die Akzeptanz bei den Mitarbeitern war riesig, da die Anwendung sehr einfach ist.

Vertrieb durch externe Firma

Leider hat in "unserem" Reservat der Generalmanager gewechselt und dieser konnte mit der Digitalisierung nicht mithalten. Obwohl alle Applikationen während 6 Monaten ohne unseren Support eigenständig und erfolgreich durch die Mitarbeiter betrieben wurden, kam es im September 2023 zu einem Stillstand in unserem Reservat.  


Der ganze Entwicklungsaufwand, die grossen Bemühungen und die finanziellen Aufwendungen sind als Folge eines kurzsichtigen Managemententscheides innert Sekunden verpufft.

Obwohl wir nie an einer Kommerzialisierung interessiert waren - die Anwendung haben wir spezifisch für "unser" Resort Limpopo-Lipadi entwickelt und diesem kostenlos zur Verfügung gestellt - sahen wir uns gezwungen eine andere Lösung zu finden.   Wir haben die Applikation ausgebaut und als Lizenz der Firma Digital Reserve Management übergeben.

Sehr erfreulich ist, dass die Regierungsstelle von Botsuana unsere Applikation innert kürzester Zeit geprüft und bewilligt hat und diese in ihren nationalen Reservaten einsetzen will. 

Einmal mehr zeigt sich, dass die Leistung in der eigenen Umgebung verkannt, von Fremden dafür umso mehr geschätzt wird.

Erkenntnisse und Fazit

Neben dem Sammeln von Daten gibt es noch einen weiteren überaus entscheidenden Aspekt: Die Mitarbeiter erkennen die Wichtigkeit von ihrem Job. Der Gate Wächter muss nicht nur das Tor öffnen und erhält noch einen Rüffel, weil alles zu langsam geht. Nein, er erfasst Daten und wenn das Fahrzeug nicht in der vorgegebenen Zeit am Kontrollposten erscheint, wird ein stiller Alarm ausgelöst und das Fahrzeug wird gesucht! Auch die APU-Guides suchen nicht nur die Tiere, sondern erfassen auch deren Zustand. So erkennt man sehr schnell, ob etwas nicht stimmt. Beispiel: Zwei Bullen kämpfen urplötzlich. Der Grund liegt darin, dass ein Weibchen einen neuen Futterplatz gesucht hat und ein Revier querte. Da der eine Bulle dem Weibchen gefolgt ist, kam es zum massiven Revierkampf. Ohne Tagging hätten wir dieses Verhalten nicht verstanden.
 
Das Gleiche gilt für das Ablesen von Wasserständen oder Fence-Reparaturen. Alles wird erfasst und hilft für Verbesserungen. Es können im ganzen Reservat Personen kontrolliert werden, ob sie eine Permit haben und ob sie sich in diesem Sektor aufhalten dürfen.
 
Wir haben gesehen, wie Mitarbeiter konstruktiv mit einem Tablet gearbeitet haben, obwohl sie selber kein Mobile besitzen! Beim Scoring haben wir festgestellt, dass der älteste Mitarbeiter am wenigsten Fehler gemacht hat. Er wollte etwas bewegen und hat die Wichtigkeit seiner Tätigkeit erkannt.

Die Einführung der Software  hat einen positiven Ruck durch die ganze Belegschaft gegeben. Denn sie waren die Ersten, die in Afrika selber digital Daten erfassen konnten und darauf waren sie sehr stolz.